Jeder neue Tagesbrief setzt den gestrigen und vorgestrigen Brief fort.
Wenn Sie heute neu auf diese Seite kommen, fehlt Ihnen mitunter der
Zusammenhang, der stellt sich aber nach ein bis zwei weiteren Briefen
morgen und übermorgen ein.



Liebe Freundin, lieber Freund,

wir sollten uns nicht spalten lassen. Das geschieht aber, wenn wir die Gefühlswelt im realen Leben wegdrängen und sie in der elektronischen Scheinwelt wieder herauslassen. Wir dürfen unser Bedürfnis nach Gefühlen - es ist nicht nur ein Bedürfnis, es ist unsere Grundstruktur - nicht auf zwei Ebenen verteilen: Das reale Leben soll frei davon sein, das über die Medien vermittelte Leben toleriert sie. Ich denke, du erkennst jetzt die Perversion. Ich empfinde das als skandalös und auch beleidigend für unser Menschsein. Ich möchte dich davon loslösen und befreien, möchte dich aus dieser Gespaltenheit, indem ich sie dir bewußtmache, zurückführen. Die erlebte Wirklichkeit ist real: Dort sind deine Gefühle angesprochen, und dort sollst du sie erleben, nicht verbergen. Es ist eine Störung, wenn du bei einer Liebeskummerstory, die dir elektronisch vermittelt wird, den Tränen freien Lauf lässt, aber bei deinem eigenen ganz persönlichen Kummer nicht weinen kannst.
Herzliche Grüße
- bis morgen