Jeder neue Tagesbrief setzt den gestrigen und vorgestrigen Brief fort.
Wenn Sie heute neu auf diese Seite kommen, fehlt Ihnen mitunter der
Zusammenhang, der stellt sich aber nach ein bis zwei weiteren Briefen
morgen und übermorgen ein.



(Gestriger Tagesbrief vom )

Liebe Freundin, lieber Freund,

du wirst nicht abstreiten, dass die Liebe zum Menschsein gehört. Das hoffe ich wenigstens. Du hast dich verliebt. Vielleicht nicht jetzt gerade, aber du kannst dich zumindest daran erinnern. Wenn du verliebt bist, reagiert dein Körper. Was sagt dein Verstand dazu? Wer hat sich denn verliebt? Die Ratio? Sie kann sich nicht verlieben; das ist ihr wesensfremd. Es handelt sich also um etwas Psychisches, wenn wir uns verlieben. Plötzlich bist du emotional beteiligt. Dein Körper natürlich auch, denn Sexualität ist etwas Körperliches. Aber Verliebtsein geht über das rein Körperliche hinaus. Da ist also noch etwas anderes, und dieses andere übersteigt auch dein Denken. Also was ist es? Auf einmal bist du sehr glücklich, das Psychische zu erleben. Wenn du aber Angst empfindest, bist du unglücklich. In die Verliebtheit lässt du dich genussvoll sinken, der Angst willst du entfliehen. Wenn du verliebt bist, nimmst du das Seelische sehr wichtig; und es erlangt große Bedeutung. Psychisches aber hat dieselbe Bedeutung, wenn du Angst hast.

Du bist in einer emotionalen Dimension, wenn du verliebt bist und wenn du dich ängstigst. Wir begeben uns jetzt auf das Terrain des Psychischen - und dort gelten nicht mehr die naturwissenschaftlichen Gesetze der Chemie und der Physik und der Logik, dort gelten die Wirkmechanismen der Seele. Seelisches ist Subjektivität, und dennoch können wir uns darüber mit Worten verständigen. Das Subjektive der anderen ist uns nicht so wesensfremd, um es nicht zu verstehen. Dieses Verständnis geschieht durch Einfühlung und Mitgefühl.
Herzliche Grüße
- bis morgen