Jeder neue Tagesbrief setzt den gestrigen und vorgestrigen Brief fort.
Wenn Sie heute neu auf diese Seite kommen, fehlt Ihnen mitunter der
Zusammenhang, der stellt sich aber nach ein bis zwei weiteren Briefen
morgen und übermorgen ein.



Liebe Freundin, lieber Freund,

um nicht missverstanden zu werden, möchte ich nochmals betonen: All diese äußerlichen Dinge - wie Berufserfolg, geistiges Training, Kenntnisse, Weiterbildung, körperliches Fitnesstraining, politisches Engagement und Streben nach Besitz verurteile ich nicht pauschal. Geistiges Training durch Lernen hat seine eigene Bedeutung, um beruflich weiterzukommen, und Kenntnisse, die im Gedächtnis gespeichert sind, haben ebenfalls ihre Bedeutung, um dadurch anderen nützlich sein zu können - so brauchen wir beispielsweise die Kenntnisse des Statikers, wenn eine einsturzsichere Tribüne gebaut werden soll.

Es ist auch verständlich, wenn sich finanzieller Erfolg in verstärktem Konsum ausdrückt. Etwas besitzen zu können gibt uns ein besonderes Gefühl der Freude, des Wohlbefindens, der Sicherheit und steigert das eigene Wertgefühl. Das ist psychologisch sehr verständlich, und es wäre weltfremd, das nicht sehen oder verstehen zu wollen. Es soll hier nicht ein Verzicht auf Bildung oder Besitz gepredigt werden, denn es geht nicht darum, dass nur der glücklich sein kann, der besitzlos ist. Armut und Besitzlosigkeit sind alles andere als eine gesunde Basis für das innere Glück; sie führen vielmehr nicht selten zu großen seelischen Belastungen - etwa dann, wenn jemand durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit an den Rand der Gesellschaft gespült worden ist.
Herzliche Grüße
- bis morgen