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Liebe Freundin, lieber Freund, |
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warum versuchen dir andere zu sagen, was du tun sollst und was nicht? Warum wollen andere dir begreiflich machen, dass du nach außen leben sollst, also agieren und reagieren sollst, aber um Gottes willen nicht nach innen schauen sollst? Warum gilt Aktion als richtig und Introspektion als falsch? Sogar bloße Reaktion gilt als tüchtiger und stärker als Kontemplation. Sich mit sich selbst zu befassen, nach innen zu schauen, gilt als Schwäche, wohingegen Reaktion und Aktion als Stärke gilt. Warum trennen wir außen und innen so deutlich voneinander? Warum zählt Rationalität als Stärke und Emotionalität als Schwäche? Warum gilt das eine als etwas Äußeres und das andere als etwas Inneres? Wir müssen diesem Konfliktproblem gemeinsam auf den Grund gehen. Bitte stelle dir diese Fragen. Es handelt sich dabei nicht um etwas Peripheres, etwas Unwichtiges. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, denn wir werden im Alltag damit ständig konfrontiert.
Du willst Ordnung in dein Leben bringen. Du willst innere Ruhe finden, hast du mir gesagt. Du willst dich in diese Gesellschaft integrieren, aber du möchtest dabei auch dich selbst nicht verlieren, willst nach außen agieren, aber im Einklang mit deinem Innersten, willst dein Innerstes erkennen und dein eigenes Leben finden, möchtest Ich sein und Ich sagen können, ohne als Egozentriker und Außenseiter zu gelten. Du willst wahrhaftig leben, im Einklang mit Seele und Geist. Dabei wirst du irgendwann erkennen: In der Weichheit liegt die Stärke. Mit dieser Paradoxie möchte ich diesen Brief heute beenden.
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Herzliche Grüße
- bis morgen
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