Jeder neue Tagesbrief setzt den gestrigen und vorgestrigen Brief fort.
Wenn Sie heute neu auf diese Seite kommen, fehlt Ihnen mitunter der
Zusammenhang, der stellt sich aber nach ein bis zwei weiteren Briefen
morgen und übermorgen ein.



Liebe Freundin, lieber Freund,

ich möchte dir damit folgendes sagen: Du sollst dir der Reflexion deiner Persönlichkeit, deines Selbstbildes bewusst werden. Die Bespiegelung muss daher gänzlich aufhören - und das ist die große Schwierigkeit. Individuation beginnt erst dann, wenn die Reflexion beendet ist. Das gelingt den wenigsten, was jedoch nicht heißt, es wäre schwer. Dieser Umstand wird den meisten Menschen während ihres Lebens eben nie richtig bewusst, auch deshalb, weil sie niemand darauf hinweist. Wir sind es gewohnt, dass uns andere auf etwas hinweisen, und zwar auf einen Standpunkt, der artikuliert wird. Da er aber höchst selten artikuliert wird, scheint der Vorgang für viele nicht zu bestehen.

Es hat nicht nur das Realität, was artikuliert und reflektiert wird. Hinter aller Reflexion, die von außen kommt - ein Spiegel zum Beispiel ist etwas Äußerliches -, existiert ein Bedürfnis nach Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis, unabhängig von allem Äußeren. Dieses Thema sollten wir vertiefen, gerade weil niemand darüber spricht und weil es deshalb kein ernsthaftes Thema zu sein scheint.
Herzliche Grüße
- bis morgen